Dienstag, 29. November 2016

Thementag „Wein“ im deutschen Fernsehen



Wein ist en Vogue, die Magazine und Internetseiten sind voll von Beiträgen über das Genuss-Getränk. Kein Wunder, dass auch das deutsche Fernsehen sogar senderübergreifend einen ganzen Thementag über Wein ins Programm gehoben hat. Hier ein Überlick:


ZDF, 9.05 Uhr: Volle Kanne
Zum Frühstück ist Katja Riemann eingeladen. In einem Einspielfilm wird die Arbeitsgemeinschaft Nacktwinzer aus Bad Klöden vorgestellt, die im Anbaugebiet Saale/Unstrut textilfrei und unbeschnitten in ihren Weinbergen den Rebschnitt durchführt.

Sat 1, 11.15 Uhr: Richterin Barbara Salesch
Thema der Sendung ist ein deftiger Wirtshausstreit. Gastwirt Anton B. aus O. an der Nahe besteht darauf, bei der Abrechnung der Jubiläumsfeier der Leder-Trachtengruppe „Sitte und Exzess“ ein Korkgeld einzubehalten. Die Trachtengruppe argumentiert, sie hätte aber nur Weine mit Schraubverschluss getrunken. Wie wird die erfahrene Richterin urteilen?

RTL 2, 13.10 Uhr Weinbauer sucht Frau

Friedel, der witzige Weinbauer aus Wiesbaden, buhlt um Carmen, die kernige Cottbusserin. Der feinnervige Weinkünstler Friedel kann mit seinen tiefgründigen Erläuterungen zur Spontangärung  das Herz der bekennenden Dosenbiertrinkerin Carmen nicht erweichen. Selbst ein extra arrangiertes Sprudelbad im Spätburgunder Weißherbst stimmt Carmen nicht um.

MDR, ab 15.00 Uhr: Der lange Filmnachmittag

Es geht los mit dem Klassiker „Die Winzerin von Langenlois“, Österreich 1957, ein Lustspiel aus dem Waldviertel. Danach folgt um 16.30 Uhr das Drama „Und ewig rauschen die Reben“, in dem der pfälzische Winzer Adalbert Hupf bei Windstärke 8 mit der diesjährigen Lese beginnt. Ab 18.45 Uhr zeigt der MDR eine Sternstunde des Tresterfilms: „Lola brennt.“

20.15 Uhr VOX: Das perfekte Promidinner
Bischöfin Margot Käßmann lädt in der Karwoche zum Promidinner ein. Passend zur Fastenzeit wird zu allen Gängen des Menüs ausschließlich Mineralwasser gereicht. Die Jury zeigt sich von den liebevoll bereiteten Speisen begeistert und vergibt jeweils die höchste Punktzahl. Während Gunther Gabriel besonders von der Rieslingsuppe schwärmt, lobt Jenny Elvers-Elbertshagen den Wildschweinbraten in Spätburgundersauce und die Weincreme mit selbstgemachten Champagnertrüffeln zum Dessert.

ProSieben zeigt mit Brokeback Maintal eine deutsche Adaption des amerikanischen Kultfilms. Die beiden homosexuellen Jungwinzer Fred und Julian kommen sich bei der Eisweinlese im Maintal erstmals näher, als Fred über seine kalten Finger klagt. Zusammen mit ihren Pferden Sandy und Cindy versuchen die beiden im Damensattel der Enge der gesellschaftlichen Konventionen zu entfliehen. Die Kritik urteilt: Besonders pferdvoll! Ein Film, der wärmstens zu empfehlen ist.

Anschließend bei ProSieben:
Two and a half bottle,
danach: How I met your Winzer

Kabel 1: lange Filmnacht
20.15 „Trink langsam 4 - Heute ist ein guter Tag zum Schlürfen!“ mit Bruce Willis
22.00 Uhr: Indiana Jones und der letzte Riesling,
23:30 Uhr: Im Steilhang ist die Hölle los

21:00 Uhr ARD, hier läuft derweil MONITOR, unter anderem mit diesem Thema:
Der Berg ruft: Enthüllungsjournalist Günter Wallraff mischt sich unter eine Gruppe polnischer Lesehelfer an der Mosel und klagt die unmenschliche Arbeitsbedingungen im Wingert an. So müssen etwa auch Arbeiter mit Höhenangst in die Steillagen klettern. Das Tragische ist aber: Wallraff wird schon am ersten Abend enttarnt, weil er auf der Pritsche des Unimogs bei der Heimfahrt zum Weingut das Ave Maria nicht auf Polnisch mitbeten kann und auch keinen Wodka trinken will.

22:00 Uhr. RTL, „Das Dschungelcamp“

Heute findet die erste Ekelprüfung statt: Die Insassen müssen Discounterwein aus dem Tetrapak trinken. Wer hält durch?

23:55 Uhr. Zeit für arte. In der Reihe Kultur vor Mitternacht bringt arte eine einfühlsame Regiearbeit des mongolisch-ugurischen Filmemachers Tenzin Khan, der in seinem in Schwarzweiß gedrehten Epos „Die letzte Lese“ den manisch-depressiven finnischen Winzer Kimmo Pantaleinen porträtiert. Zweikanalton auf Tafel 110.

Eine gute Nachricht noch zum Schluss. Bald wieder im Programm: Kerner. 


Ingo Konrads

Dienstag, 22. November 2016

Das Weinglas ist leer




Jeder von uns kennt das alte Fragespiel, wonach wahlweise Optimisten oder Pessimisten ein zur Hälfte gefülltes Glas bewerten sollen. Wie aber würde ein vollkommen leeres Weinglas wohl von der Presse aufgenommen? Vielleicht so:


Das Weinglas ist leer. 10 Dinge, die Sie jetzt tun müssen.
Focus online

Das Weinglas ist leer. Waren es die Flüchtlinge?
BILD

+++ Glas leer. Leidet Uschi unter Burnout? +++
Der Postillon

Das Weinglas ist leer. Was dann geschieht, ist unfassbar.
Huffington Post

Das Weinglas ist leer. Warum es genau genommen gar nicht leer ist.
Spektrum der Wissenschaft

Das Weinglas ist leer. Ja und? Wieder hat niemand an unsere Liebsten, die Haustiere, gedacht.
Ein Herz für Tiere

Das Weinglas ist leer. Hicks, Rülps. Tschuldigung.
TITANIC

Das Weinglas ist leer. Die große Alkoholbeichte von Gunter Gabriel.
GALA

Das Weinglas ist leer. 100 Tipps für herrliche Herbstdekorationen.
LandLust

Das Weinglas ist leer. Sechs Supertoskaner jetzt zum Vorzugspreis kennenlernen.
VINUM




Donnerstag, 3. November 2016

Sankt Martin Rap

Jetzt mal zu etwas ganz anderem. Die Geschichte vom Heiligen Martin ist es allemal wert, immer wieder neu erzählt zu werden. Damit auch junge Leute heute damit etwas anfangen können, habe ich mir gedacht, sie etwas moderner zu gestalten, nämlich als Rap. Da ich in dieser Textform nicht wirklich zuhause bin, hat mich mein 15-jähriger Sohn beim Schreiben sehr unterstützt.

Sankt Martin Rap


Diggah, die olde Story ist schon lange her
und sie berührt die Leute heute immer noch so sehr.
Es war so 1600 Jahre vor dem World Wide Web,
als ein Bettler an der Ecke chillte wie ein Depp.

Du Lappen, hast nen miesen Body-Mass-Index.
Du im Winter in nem Takko-Fashion-Fummel drin steckst,
Du vor Kälte leider nicht mehr deines Lebens Sinn checkst.
Denn es ist so kalt, dass man sogar den Doggy drin lässt.

Auf einmal kommt der Boss auf nem Ross aus dem Schloss.
Die Nacht voll schwarz wie die Farbe von Coke Zero.
Was keiner erwartet: Dieser Reiter wird zum Hero.
Denn der Checker sieht den Bettler plötzlich auf der Street,
wie er zitternd in der Kälte vor ihm niederkniet.

Ey, Bruder, kannst du vielleicht ein paar Euros missen,
meine Lage in der Kälte hier ist echt beschissen.
Alle Spasten, die mich sehen, wollen mich nur dissen
und sie sagen zu mir: Bastard, komm geh dich verpissen!

Alter, Money ist nicht was du brauchst zum Überleben!
Deshalb kann ich dir nur etwas von dem Mantel geben.

Und der Reiter währenddessen greift auf seinem Pferd
nach der Waffe, denn sie ist ein scharfes Schwert;
Damit teilt er seinen Umhang kurzerhand entzwei.
Dass die Haute Couture kaputt geht, ist ihm einerlei.

Plötzlich ist der arme Alte nicht mehr wirklich arm,
denn die Robe dieses Reiters hält ihn endlich warm.

Und zum Schluss noch was Real-Talk-Gelaber,
diese Story ist schon lange her, aber
sie zeigt dir, was du tun musst klar wie ein Selfie
bleibt nicht im Ungefähren wie‘s Orakel von Delphi.

Teilen! Das ist hier die Botschaft wie bei Facebook
und ein feines Lächeln wird zu deinem Facelook.
Martin war der Reiter und er hat ganz leicht
mit der Story gutes Standing in der Szene erreicht.

Glaubt mir, Leute, Martin war kein Hampelmann.
Wegen ihm ham die Kiddies heut die Lampen an.

Leonard und Ingo Konrads

Mittwoch, 5. Oktober 2016

Morden, wo andere Urlaub machen

Regional einkaufen gehört zum guten Ton des modernen aufgeklärten Menschen. Regional lesen mittlerweile auch. Wenn in meinem Heimatkreis Ahrweiler ein Mord geschieht und dann auch noch in einem steilen Weinberg zwischen unschuldigen Spätburgunderreben, dann kann ich gar nicht anders, als diesen Kriminalroman zu empfehlen. 



Es erinnert ein wenig an eine idyllisch konstruierte Spielzeugeisenbahnlandschaft. Tief eingeschnitten in das Mittelgebirge, steile Felshänge, die über und über mit Weinreben bepflanzt sind, unten der kleine glänzende Fluss, die Eisenbahnstrecke, die sich ab und an in Tunneln verliert, pittoreske Dörfer, ein ehemaliges Kloster und eine mittelalterliche Kleinstadt. Das Ahrtal im Norden von Rheinland-Pfalz bietet so gar kein Tableau für einen Mord. Oder gerade deshalb? 

Die Ahrweiler Autorin Karin Joachim, selbst überzeugte Bewohnerin dieses Paradieses, nutzt für ihren Krimi genau diese Kulisse in ihrem Roman-Debüt „Krähenzeit“. Dabei dienen die Landschaft und die Orte aber nicht nur als bloße Staffage, sondern werden zentrale Teile der Geschichte. Jana Vogt, eine eigentlich hier urlaubende Tatortfotografin der Kölner Kripo, taucht zusammen mit ihrem Hund Usti ein in immer tiefere menschliche und regionalhistorische Zusammenhänge an der Ahr. Dabei wird sie kollegial unterstützt von dem sympathischen Koblenzer Kommissar Wieland, zu dem sie sich subtil hingezogen fühlt. Dass sie mit ihrem Rumstochern in den lokalen Geschichten und Geschichtchen zunehmend den Argwohn des Mörders auf sich zieht, macht die Story umso spannender.  

Mir hat vor allem gefallen, wie sich Jana, die ein schlimmes Erlebnis verarbeiten muss und deshalb an der Ahr Urlaub macht, nach und nach weiterkämpft und sich auch von Rückschlägen nicht entmutigen lässt. Hund Usti als treuer Begleiter macht einfach nur Spaß und lässt erahnen, dass die Autorin weiß, wovon sie spricht, wenn sie das tierisch-menschlichen Zusammenspiel so hingebungsvoll beschreibt. Zusammen mit Kommissar Wieland bilden Jana und Usti ein Trio, das auch in zukünftigen Krimis zeigen kann, was in ihm steckt. Und das alles im reizvollen Ahrtal. 

Karin Joachim
"Krähenzeit" Kriminalroman
320 Seiten, Gmeiner-Verlag; Auflage: 1., 2016
9,90 EUR